Bischof Matthias Schäfer besuchte am Mittwoch, 16. September 2026, überraschend die neuapostolische Gemeinde in Bad Sobernheim. Erst am Vorabend hatte er seinen Besuch angekündigt. Im Gottesdienst stellte er die Frage in den Mittelpunkt, was es bedeutet, wirklich zu sehen – sich selbst, den Mitmenschen und die Liebe Gottes.
Vor Beginn des Gottesdienstes wurde die biblische Erzählung von der Heilung eines Blinden aus Lukas 18,35–43 vorgelesen. Aus diesem Abschnitt stammte auch das Bibelwort, das Matthias Schäfer seiner Predigt zugrunde legte:
„Jesus aber blieb stehen und befahl, ihn zu sich zu führen. Als er aber näher kam, fragte er ihn: Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, dass ich sehen kann.“
Lukas 18,40–41
Kindheitserinnerungen
Zu Beginn berichtete Schäfer, dass ihn das Gottesdienstlokal in Bad Sobernheim an seine Kindheit erinnere. Die Gemeinde, die er damals besuchte, war ebenfalls klein und hatte ihre Räume in einem ungewöhnlichen Gebäude gefunden: einer ehemaligen Apotheke. Das heutige Gottesdienstlokal in Bad Sobernheim war früher eine Sparkasse.
Von dieser persönlichen Erinnerung führte Schäfer zum zentralen Gedanken seiner Predigt. Der Mensch sehe zunächst nur das, was unmittelbar vor Augen liege. Vieles bleibe seinem Blick jedoch verborgen. Umso wichtiger sei die Frage, wie aufmerksam Menschen ihre Umgebung, ihre Mitmenschen und sich selbst wahrnehmen.
Mit offenen Augen durchs Leben
Dabei nahm Schäfer die Geschichte des blinden Bettlers auf. Dieser ließ sich von den Menschen um ihn herum nicht zum Schweigen bringen, sondern rief umso eindringlicher nach Jesus. Daraus leitete Schäfer den Gedanken ab, Gott darum zu bitten, die eigenen Augen zu öffnen: für seine Zuwendung, für persönliche Fehler und Schwächen und ebenso für die Situation anderer Menschen.
Priester Michael Roland, Vorsteher der Gemeinde Bad Sobernheim, griff diesen Gedanken in einem weiteren Predigtbeitrag auf. Der Blinde habe zunächst nachgefragt, was um ihn herum geschehe. Auch heute sei es wichtig, sich Zeit zu nehmen, nachzuforschen und danach zu fragen, was Gott einem Menschen zeigen oder sagen wolle.
Musikalisch wurde der Gottesdienst von der Orgel begleitet. Im Anschluss nahm sich Matthias Schäfer Zeit, sich persönlich von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu verabschieden und noch einige Augenblicke mit der Gemeinde ins Gespräch zu kommen.
Bericht und Bilder: Michael Roland
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