Am Mittwochabend, 26. August 2026, kamen die Gemeinden Rüsselsheim und Hochheim zu einem gemeinsamen Gottesdienst mit Apostel Gert Opdenplatz im Kirchengebäude in Mörfelden-Walldorf zusammen. Dem Apostel war es ein besonderes Anliegen, diesen Gottesdienst in Walldorf zu feiern. Während der Renovierung der Rüsselsheimer Kirche finden hier regelmäßig die Sonntagsgottesdienste statt, die Wochengottesdienste werden dagegen in Hochheim oder Groß-Gerau gefeiert. Auch für Apostel Opdenplatz ist die Walldorfer Kirche mit Erinnerungen an besondere Gottesdienste und Begegnungen verbunden.
Grundlage des Gottesdienstes war Jesaja 42,3:
„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus.“
(Jesaja 42,3)
Gott gibt den Menschen nicht auf
Das Bild des geknickten Rohres war den Menschen zur Zeit Jesajas unmittelbar verständlich. Schilfrohr wurde vielfältig verwendet und war, wenn es geknickt war, kaum noch zu gebrauchen. Ähnlich verhielt es sich mit einer Öllampe, deren Docht nur noch glimmte. Was kaum noch brauchbar erschien, konnte man endgültig zerbrechen oder auslöschen.
Auch Menschen können „geknickt“ sein - durch Enttäuschungen, Sünde oder weil sie von anderen verlassen wurden. Vielleicht brennt auch die Flamme des Glaubens nicht mehr so hell wie früher. Bei Gott ist es anders als bei Menschen: Gerade dem Geknickten und Schwachen wendet er sich besonders zu.
Das Jesajawort steht im Zusammenhang mit der Ankündigung des Gottesknechts:
„Siehe, das ist mein Knecht, den ich halte, und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat.“ (aus Jesaja 42,1)
Im Neuen Testament greift Matthäus diese Worte auf und bezieht sie auf Jesus Christus (Matthäus 12,17-21).
Jesus richtet auf
Das Volk Israel hoffte auf einen starken Retter. Jesus dagegen begegnete den Menschen einladend und zugewandt. Trost lasse sich nicht herausschreien, sondern brauche Zeit und Stille. Jesus habe Menschen getröstet, aufgebaut und gestärkt.
Diese Zusage gilt auch uns: Selbst wenn der Glaube eines Menschen nur noch zu glimmen scheint, kann Gott die Flamme wieder entzünden und das Geknickte aufrichten. Apostel Opdenplatz rief dazu auf, diese Botschaft in die Gemeinde zu tragen - zu den Kranken und ebenso zu denen, die sie pflegen und begleiten.
Was dabei aus menschlicher Sicht unmöglich erscheint, bleibt für Gott möglich:
„Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.“
(Markus 10,27; Luther 2017)
„Du hast eine zweite Chance“
Gemeindevorsteher Hirte Friedbert Treber fasste die Botschaft in einem Predigtbeitrag zusammen: „Du hast eine zweite Chance.“ Was auch immer im Leben geknickt sein oder nur noch glimmen möge - Gott gebe den Menschen nicht auf. Deshalb gelte: „Hebe dein Haupt und gehe dem Ziel entgegen.“
Gott in der Stille begegnen
Beim Blick auf das Weltgeschehen gebe es manches, was uns den Kopf hängen lassen könnte, führte Apostel Opdenplatz weiter aus. Christen seien jedoch aufgerufen, aufzuschauen und ihr Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Dabei erinnerte er an die Begegnung Elias mit Gott am Horeb. Elia erlebte Sturm, Erdbeben und Feuer - doch darin war der Herr nicht. Schließlich begegnete ihm Gott im „stillen, sanften Sausen“ (1. Könige 19,11-13).
Auch unser Gebet solle deshalb nicht nur aus aneinandergereihten Worten bestehen. Augenblicke der Stille schaffen Raum für die persönliche Zwiesprache mit Gott. Mit solchen Momenten der Stille bereitete sich die Gemeinde schließlich auf die Feier der Sakramente vor.
Text: Tobias Hempel
Fotos: Marcel Meegdes
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